Für wen Lauftherapie geeignet ist — und für wen nicht
Lauftherapie ist wirksam, aber nicht universell. Die Einschätzung, ob das Format für eine bestimmte Person geeignet ist, liegt bei Ihnen als zuweisende*r Therapeut*in. Diese Seite gibt Ihnen eine strukturierte Orientierung — als Grundlage für Ihre Entscheidung, nicht als Ersatz dafür.
Indikationen
Depression (leicht bis mittelgradig)
Die stärkste Evidenzbasis besteht für unipolare depressive Störungen leichter bis mittelgradiger Ausprägung. Aerobes Training in moderater Intensität, zwei- bis dreimal wöchentlich, zeigt über 16–24 Wochen klinisch bedeutsame Symptomreduktionen. Lauftherapie eignet sich sowohl als begleitende Intervention zur laufenden Psychotherapie als auch zur Überbrückung von Wartezeiten.
Bei schwergradiger Depression ist das Format bedingt einsetzbar — in enger Abstimmung mit der behandelnden Praxis und nach ausreichender Stabilisierung. Antriebsstörung und Anhedonie sind keine absoluten Kontraindikationen, erfordern aber eine angepasste Dosierung und besondere Begleitung in den ersten Einheiten. Hier ist Lauftherapie zur Überbrückung möglicher Wartezeiten keine Option.
Angststörungen
Bei generalisierten Angststörungen, sozialen Phobien und Panikstörungen zeigt Bewegungstherapie anxiolytische Effekte — insbesondere über das endocannabinoide System und die HPA-Achsen-Regulation. Neben der posititven selbsterfahrung kann dieser Effekt eine Psychotherapie stark unterstützen. Soweit die vorliegende Ansstörung keine weiteren Diagnosen umfasst kann auch hier der Einsatz zur Überbrückung von Wartezeit hilfreich und erfolgsversprechend sein. Wichtig: bei Angststörungen ist niedrige bis moderate Intensität indiziert. Hochintensives Training kann Symptomentlastung kurzfristig behindern und ist in diesem Kontext kontraindiziert.
Burnout
Burnout ist keine ICD-kodierte Diagnose, aber ein klinisch relevantes Erschöpfungssyndrum mit gut dokumentierten neurobiologischen Korrelaten. Lauftherapie wirkt hier primär über HPA-Achsen-Normalisierung und Wiederherstellung basaler Selbstwirksamkeitserfahrungen. Auch hier gilt: moderate Intensität ist Pflicht. Hochintensives Training ist bei Burnout explizit kontraindiziert — es verlängert die Erholungszeit. Richtig angewendet kann Lauftherapie eine effektive Erfahrungskomponente darstellen, um Verhaltensänderungen zu manifestieren und die Akzeptanz therapeutscher Maßnahmen erhöhen.
Kontraindikationen
Absolut
Akute Suizidalität
Floride psychotische Episode
Schwere manische Episode
Körperliche Erkrankungen, die aerobes Training ausschließen (kardiovaskuläre Kontraindikationen, akute orthopädische Verletzungen, internistische Erkrankungen mit Belastungsverbot)
Relativ — Absprache erforderlich
Schwergradige Depression ohne ausreichende Stabilisierung
Ausgeprägte Antriebsstörung in der Akutphase
Körperliche Vorerkrankungen, die ärztliche Abklärung erfordern
Schwangerschaft (ärztliche Freigabe erforderlich)
Substanzabhängigkeit in akuter Phase
Keine sportliche Voraussetzung erforderlich
Lauftherapie richtet sich nicht ausschließlich an sportlich aktive Menschen. Der Einstieg erfordert keine Kondition, keine Lauferfahrung und keine körperliche Fitness. Das Format beginnt dort, wo Patient*innen sind — mit Gehen, wenn nötig, und entwickelt sich im eigenen Tempo. Das ist kein pädagogisches Zugeständnis, sondern Methode: der Aufbau von Selbstwirksamkeit beginnt mit dem ersten Schritt, den jemand tatsächlich geht.
Alters- und Zielgruppenhinweise
Lauftherapie ist für Erwachsene jeden Alters geeignet — unabhängig vom Fitnesszustand. Für ältere Patient*innen mit orthopädischen Einschränkungen kann das Format auf Gehen oder Nordic Walking angepasst werden, ohne den therapeutischen Wirkrahmen zu verlassen. Für jüngere Erwachsene und Jugendliche ab 16 Jahren ist das Format nach Absprache möglich.
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Ihre Einschätzung bleibt maßgeblich
Diese Übersicht ersetzt nicht Ihre klinische Beurteilung. Wenn Sie unsicher sind, ob Lauftherapie für eine bestimmte Person geeignet ist, sprechen Sie mich direkt an — ich bin für Rückfragen jederzeit erreichbar und bespreche Grenzfälle gerne vor einer Zuweisung.
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