Die Evidenzbasis für bewegungsbasierte Interventionen bei psychischen Störungen ist in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich gewachsen. Was lange als Randbeobachtung galt, ist heute in klinischen Leitlinien verankert: die WHO, die DGPPN und die Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression empfehlen körperliche Aktivität explizit als Behandlungsoption — nicht als Ergänzung ohne Evidenzstatus, sondern als Intervention mit dokumentierter Wirksamkeit.
Die aktuell umfangreichste Metaanalyse stammt von Munro et al. (2026), publiziert im British Journal of Sports Medicine mit einer Stichprobe von über 79.000 Personen. Aerobes Training zeigt dort eine Effektstärke von SMD −0,81 gegenüber inaktiven Kontrollgruppen — und bleibt mit SMD −0,47 auch im direkten Vergleich mit Pharmakotherapie überlegen. Noetel et al. (2024) bestätigen im BMJ vergleichbare Effekte und unterstreichen die Bedeutung von Intensität und Dauer für die Wirksamkeit.
Für Angststörungen und Burnout ist die Evidenzbasis schmaler, aber konsistent. Die Wirkmechanismen — HPA-Achsen-Regulation, endocannabinoides System, monoaminerge Aktivierung — sind gut dokumentiert und erklären, warum Bewegung in diesen Indikationen wirkt und wie sie dosiert werden muss.